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Karriere13. Apr. 20269 Min. Lesezeit

Arbeitszeugnis lesen und verstehen: Der komplette Guide

Was steht wirklich in deinem Arbeitszeugnis? Lerne die Geheimsprache der Zeugnisse, erkenne Noten und nutze dein Zeugnis für die nächste Bewerbung.

Redaktion
Bewerbungsgenius Team
Person liest ein offizielles Arbeitszeugnis am Schreibtisch

Du hast dein Arbeitszeugnis bekommen und fragst dich: Was steht da eigentlich drin? Du bist nicht allein. Das deutsche Arbeitszeugnis-System ist weltweit einzigartig — und selbst viele Deutsche verstehen die versteckten Bewertungen nicht auf Anhieb.

In diesem Guide erfährst du alles, was du über Arbeitszeugnisse wissen musst: von der Geheimsprache der Formulierungen über die Noten bis hin zur richtigen Verwendung in deiner Bewerbung.

Was ist ein Arbeitszeugnis?

Ein Arbeitszeugnis ist ein offizielles Dokument, das dein Arbeitgeber dir am Ende eines Arbeitsverhältnisses ausstellt. Es beschreibt, was du gemacht hast und wie gut du es gemacht hast.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz hast du einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis (§ 630 BGB, § 109 GewO). Das bedeutet: Dein Arbeitgeber muss dir eins geben — egal ob du kündigst oder gekündigt wirst.

Das ist eine Besonderheit im DACH-Raum. In den USA oder Großbritannien gibt es so etwas nicht. Dort reichen Referenzen oder Empfehlungsschreiben. Wenn du aus dem Ausland kommst und zum ersten Mal in Deutschland arbeitest, ist das Arbeitszeugnis deshalb oft verwirrend.

Einfaches vs. qualifiziertes Arbeitszeugnis

Es gibt zwei Arten von Arbeitszeugnissen:

Einfaches Arbeitszeugnis

  • Bestätigt nur, dass du dort gearbeitet hast
  • Nennt den Zeitraum und deine Aufgaben
  • Enthält keine Bewertung deiner Leistung
  • Wird selten verwendet

Qualifiziertes Arbeitszeugnis

  • Beschreibt deine Aufgaben und bewertet deine Leistung
  • Bewertet auch dein Sozialverhalten
  • Enthält eine Schlussformel mit Zukunftswünschen
  • Das ist der Standard — fordere immer ein qualifiziertes Zeugnis an

Die Geheimsprache der Arbeitszeugnisse

Hier wird es spannend. Ein Arbeitszeugnis muss laut Gesetz wohlwollend formuliert sein. Gleichzeitig soll es wahrheitsgemäß sein. Das klingt nach einem Widerspruch — und genau deshalb hat sich eine codierte Sprache entwickelt.

Personaler und HR-Profis kennen diese Codes. Als Bewerber solltest du sie auch kennen.

Die Noten im Arbeitszeugnis (1 bis 6)

Arbeitszeugnisse verwenden ein verstecktes Notensystem. Die Bewertung steckt in scheinbar ähnlichen Formulierungen:

Note 1 (sehr gut):

  • „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit"
  • „hat die Erwartungen in jeder Hinsicht und in allerbester Weise erfüllt"

Note 2 (gut):

  • „stets zu unserer vollen Zufriedenheit"
  • „hat die Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise erfüllt"

Note 3 (befriedigend):

  • „zu unserer vollen Zufriedenheit"
  • „hat die Erwartungen in jeder Hinsicht erfüllt"

Note 4 (ausreichend):

  • „zu unserer Zufriedenheit"
  • „hat die Erwartungen erfüllt"

Note 5 (mangelhaft):

  • „im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit"
  • „hat die Erwartungen größtenteils erfüllt"

Note 6 (ungenügend):

  • „hat sich bemüht, die Aufgaben zu erfüllen"
  • „zeigte Interesse an den Aufgaben"

Achte auf die feinen Unterschiede: „vollsten" ist besser als „vollen", „vollen" ist besser als gar kein Zusatz. Das Wort „stets" signalisiert Konstanz und hebt die Note.

Warnsignale erkennen: Versteckte Kritik im Arbeitszeugnis

Neben den offensichtlichen Noten gibt es Formulierungen, die negativ klingen sollen, ohne direkt negativ zu sein:

  • „war gesellig" → Hat mehr geredet als gearbeitet
  • „zeigte Verständnis für die Arbeit" → Hat die Arbeit nicht erledigt
  • „war pünktlich" → Mehr Positives gibt es nicht zu sagen
  • „hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt" → Geringe Fähigkeiten
  • „war bei Kollegen beliebt" → Aber nicht bei Vorgesetzten
  • „erledigte die Aufgaben pflichtbewusst" → Hat nur das Nötigste getan

Wichtig: Nicht jede dieser Formulierungen ist automatisch negativ. Der Kontext zählt. Aber wenn du mehrere solcher Signale in deinem Zeugnis findest, solltest du handeln.

Was tun bei einem schlechten Arbeitszeugnis?

Du hast das Recht, ein korrektes und faires Zeugnis zu bekommen. Wenn du mit deinem Arbeitszeugnis unzufrieden bist:

  1. Prüfe die Formulierungen anhand der Notenskala oben
  2. Sprich deinen Arbeitgeber an und bitte um Nachbesserung — viele Fehler passieren aus Unwissenheit, nicht aus Absicht
  3. Setze eine Frist von 2-3 Wochen für die Korrektur
  4. Hole dir Unterstützung — der Betriebsrat oder eine Rechtsberatung können helfen
  5. Im Notfall: Klage vor dem Arbeitsgericht (innerhalb von 3 Jahren möglich)

Übrigens: Wenn du eine Note 3 oder schlechter bekommst, muss der Arbeitgeber beweisen, dass die schlechtere Bewertung gerechtfertigt ist. Bei einer Note 1 oder 2 musst du beweisen, dass du sie verdienst.

Arbeitszeugnis in der Bewerbung richtig einsetzen

Dein Arbeitszeugnis ist ein wichtiger Bestandteil deiner Bewerbungsunterlagen. So nutzt du es optimal:

Wann füge ich das Zeugnis bei?

  • Immer, wenn die Stellenanzeige „vollständige Bewerbungsunterlagen" verlangt
  • Immer bei Bewerbungen im öffentlichen Dienst
  • Optional bei Start-ups oder internationalen Unternehmen — dort zählen oft Referenzen mehr

In welcher Reihenfolge?

Die klassische Reihenfolge in der Bewerbungsmappe:

  1. Anschreiben
  2. Lebenslauf
  3. Arbeitszeugnisse (neuestes zuerst)
  4. Weitere Zertifikate und Nachweise

Mit Bewerbungsgenius kannst du deinen Lebenslauf und dein Anschreiben automatisch erstellen lassen — perfekt formatiert und auf die Stelle zugeschnitten. So sparst du Zeit und kannst dich darauf konzentrieren, die richtigen Zeugnisse auszuwählen.

Was wenn ich kein Arbeitszeugnis habe?

Das kommt häufiger vor als du denkst:

  • Erster Job nach der Ausbildung: Frage nach einem Ausbildungszeugnis
  • Minijob oder Aushilfe: Du hast trotzdem Anspruch auf ein Zeugnis
  • Arbeitgeber existiert nicht mehr: Beschreibe die Tätigkeit im Lebenslauf und erkläre die Situation im Anschreiben
  • Aus dem Ausland: Referenzschreiben oder Bestätigungen deines früheren Arbeitgebers sind ein guter Ersatz

Mehr über die kompletten Bewerbungsunterlagen im DACH-Raum erfährst du in unserem Guide zu Bewerbungsunterlagen.

Arbeitszeugnis anfordern: Fristen und Tipps

Dein Zeugnis bekommst du nicht automatisch. Du musst es aktiv anfordern. Beachte dabei:

  • Zeitpunkt: Fordere das Zeugnis am besten direkt bei der Kündigung an
  • Schriftlich: Eine kurze E-Mail reicht — aber halte es schriftlich fest
  • Frist: Dein Anspruch verjährt nach 3 Jahren (§ 195 BGB). Warte aber nicht so lange — je länger es dauert, desto ungenauer wird das Zeugnis
  • Zwischenzeugnis: Bei langen Arbeitsverhältnissen oder Vorgesetztenwechsel kannst du auch zwischendurch ein Zeugnis anfordern

Häufige Fehler beim Arbeitszeugnis vermeiden

  • Nicht prüfen: Viele Arbeitnehmer lesen ihr Zeugnis gar nicht oder verstehen die Codes nicht
  • Zu spät anfordern: Nach 3 Jahren ist der Anspruch weg
  • Fehler akzeptieren: Falsche Daten, falsche Berufsbezeichnung oder Tippfehler mindern den Wert deines Zeugnisses
  • Zeugnis weglassen: Ein fehlendes Zeugnis wirft mehr Fragen auf als ein durchschnittliches

Zusammenfassung: Das Wichtigste zum Arbeitszeugnis

  • Du hast einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis
  • Fordere immer ein qualifiziertes Zeugnis an
  • Lerne die Geheimsprache — „stets vollste Zufriedenheit" ist Note 1, „bemüht" ist Note 6
  • Prüfe dein Zeugnis sofort nach Erhalt
  • Nutze das Zeugnis als Stärke in der Bewerbung

Dein Lebenslauf ist der erste Eindruck — dein Arbeitszeugnis bestätigt ihn. Wenn du Hilfe beim Erstellen professioneller Bewerbungsunterlagen brauchst, probiere Bewerbungsgenius aus. Das Tool erstellt dir einen passenden Lebenslauf und ein überzeugendes Anschreiben — in wenigen Minuten und auf die Stelle abgestimmt.

Mehr zum Thema Lebenslauf findest du in unserem ultimativen Lebenslauf-Guide für 2026.

Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und durch unsere Redaktion geprüft und überarbeitet. Wir kombinieren moderne Technologie mit menschlicher Expertise, um dir die besten Karrieretipps zu bieten.

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